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Melancholie

Gedanken, Geschichten und Beobachtungen

Hundert Jahre Persönliches
3 Min. Lesezeit

Hundert Jahre

Es gibt eine bestimmte Art von Einsamkeit, die man erst versteht, wenn man jemandem gegenübersitzt, der hundert Jahre alt ist.

Es ist nicht die Einsamkeit des Verlassenseins. Meine Tante wird gut versorgt. Die Schwestern kennen ihren Namen, die Mahlzeiten kommen pünktlich, das Zimmer ist warm. Es ist eine andere Einsamkeit: die des Übrigbleibens. Sie ist die Letzte. Alle, die ihr Leben mit ihr geteilt haben – die Schwester, die Freundinnen, Kollegen, Männer, Frauen, die Kinder der Straßen, in denen sie lebte –, sind vor ihr gegangen. Die Welt, in der sie jung war, existiert nur noch in ihr.

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Wien im Dezember: Die Stadt, die sich in sich selbst zurückzieht Reportage
4 Min. Lesezeit

Wien im Dezember: Die Stadt, die sich in sich selbst zurückzieht

Foto: Stephan Kesper / Hier

Es gibt Städte, die im Winter auftauen. Wien ist keine davon.

Wien zieht sich im Dezember in sich selbst zurück, wie ein Tier, das keine Höhle braucht, weil es selbst eine ist. Die Gassen riechen nach nassem Stein und Punsch, aber der Punsch ist weit weg, irgendwo hinter beschlagenen Scheiben, und der Stein ist nah. Sehr nah. Die Stadt atmet langsam, mit dem schweren Atem von etwas, das schon sehr lange lebt.

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