Autor
Stephan Kesper
Nörtershausen, Deutschland

Aufgewachsen bin ich zwischen zwei Welten, die im Alltag selten zusammenfinden: Meine Mutter war Journalistin, mein Vater IT-Experte. Während sich auf der einen Seite die Sprache nach Genauigkeit, Rhythmus und der richtigen Pointe sortierte, ordnete sich auf der anderen die Welt in Logik, Code und Systemen. Beides hat mich geprägt – und beides ist später, mit einigem zeitlichen Abstand, in meinen Romanen wieder zusammengewachsen.
Geschrieben habe ich von früh an. 2003 lag mein erstes vollständiges Manuskript vor mir – und ich war ehrlich genug, mir einzugestehen, dass es nicht gut genug war. Zwei Jahre später entstand meine erste Kurzgeschichte, mit der ich zum ersten Mal zufrieden war. Aus dieser kleinen Form heraus habe ich mich Schritt für Schritt zu längeren Texten entwickelt.
Drei Wettbewerbsbeiträge fanden in der Folge den Weg in Sammelbände: 2012 in Großstadtgeschichten und 2015 in Willkommen in Dystopia, beide bei Buchbesprechung.de, sowie 2017 in einer Fantasy-Anthologie bei wir-machen-druck.de. Im selben Jahrzehnt entstand 2015 mit Sealed mein erster Science-Fiction-Roman.
2017 stand ich auf einer Reise durch Namibia am Fuß des Hohensteingebirges – und in diesem Moment war eine Figur da: ein Kommissar mit Profil, mit Bedacht, und mit dem Namen, den ihm diese Landschaft schenkte. Drei Jahre später schrieb ich den ersten Hohenstein-Roman. Die Geschichte spielte mit Künstlicher Intelligenz – und wurde von der realen Entwicklung so rasant eingeholt, dass ich sie nicht mehr veröffentlichen wollte.
Was blieb, war die Figur. 2023 entstand Wenna, heute der erste Roman der Reihe. 2024 folgte Seltene Erde, 2026 Preprint. Drei Bücher, drei sehr unterschiedliche Schauplätze, eine Hauptfigur, die mit jedem Band ein Stück deutlicher aus dem Material heraustritt.
Mich interessieren Geschichten, in denen sich die großen Linien der Gegenwart – globale Wirtschaft, Geheimdienste, technische Umbrüche, gesellschaftliche Bruchstellen – an einzelnen Menschen entscheiden. Ein falsch übersetztes Wort, das ein Konzerngebäude ins Wanken bringt; ein mathematisches Ergebnis, an dem nationale Sicherheit hängt; eine Insel, deren Geheimnisse niemand außer ihren Bewohnern kennt: Solche Konstellationen sind es, die mich immer wieder an den Schreibtisch zurückführen.
In den Hohenstein-Romanen treffen meine beiden Herkünfte zusammen: das journalistische Bedürfnis, genau hinzusehen, und der technische Blick, der lieber an Strukturen glaubt als an Zufälle. Daraus entsteht ein Krimi, der weniger auf den Schockmoment setzt als auf das langsame Sichtbarwerden – auf die Beobachtung, dass die meisten Verbrechen erst dann lesbar werden, wenn man die richtige Sprache für sie mitbringt.
Schreiben bedeutet für mich vor allem das: ein geduldiges Lesen der Welt – und der Versuch, daraus Figuren zu formen, deren Entscheidungen wir verstehen, auch wenn wir sie nicht teilen würden.